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6 Tipps für mehr Liefersicherheit:

So machen Sie Ihre Ressourcenbeschaffung krisenfest

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Die momentane Rohstoffknappheit hat viele Produktionsunternehmen kalt erwischt. Eine vergleichbare Krise gab es bisher noch nie, daher war kaum eine Organisation darauf vorbereitet. Den Kopf in den Sand zu stecken bringt jedoch nichts. Beschaffungsexpert:innen sollten die aktuelle Situation als Weckruf betrachten und ihre Liefersicherheit für die Zukunft erhöhen. Dabei helfen Ihnen die folgenden sechs Tipps für eine krisenfestere Ressourcenbeschaffung.

1. Flexiblere Materialauswahl in der Konstruktion gestatten

In einigen Produktionsunternehmen ist die Konstruktion bei der Materialauswahl eingeschränkt. Sie hat nur eine geringe Anzahl freigegebener Werkstoffe zur Verfügung, die oft sehr spezifisch sind. Meist handelt es sich um konkrete Artikel einzelner Hersteller mit individuellem Produktcode. Dieses Vorgehen ist im Normalfall sehr effizient, denn es minimiert die notwendigen Freigabeprozesse. Sind die Materialien einmal genehmigt, kann die Konstruktion sie immer wieder verbauen, ohne Rücksprache halten zu müssen. Zudem kann die Beschaffung Skaleneffekte realisieren, indem sie größere Mengen spezifischer Produkte einkauft.

In Krisenzeiten wird dieser Mangel an Flexibilität jedoch zu einem gravierenden Nachteil. Ist ein freigegebener Werkstoff nicht verfügbar, kann die Konstruktion nicht einfach auf einen Gleichwertigen ausweichen. Stattdessen muss sie eine neue Freigabe beantragen, was zu Verzögerungen führt.

Um dieses Problem zu vermeiden, sollten Sie Ihren Konstrukteur:innen möglichst viel Spielraum bei der Materialauswahl lassen. Seien Sie so allgemein wie möglich und so konkret wie nötig. Schließen Sie keine Möglichkeiten aus, auf die Sie im Krisenfall zurückgreifen können.

2. Redundanzen im Lieferantennetzwerk schaffen

Ein schlankes Zulieferernetzwerk hat mit Sicherheit Vorteile. Es ist einfach zu pflegen und ermöglicht engere Beziehungen zu Lieferanten, was sich in mehr Transparenz und Vorteilen bei Preisverhandlungen widerspiegelt. Es birgt allerdings auch Risiken, insbesondere in Extremfällen.

Hat ein Unternehmen beispielsweise nur einen Zulieferer für jedes Material, schafft es sich damit eine Reihe von Single Points of Failure. Kann der Anbieter nicht liefern, gerät die Materialversorgung ins Stocken. Die Folge sind Verzögerungen in der Produktion.

Achten Sie besser darauf, Redundanzen in Ihrem Lieferantennetzwerk vorzuhalten. Für jeden Werkstoff sollten Sie mindestens einen Second-Source-Anbieter an der Hand haben, um im Notfall wechseln zu können. Alternativ können Sie auch Anbieter auswählen, die selbst über ein robustes Lieferantennetzwerk verfügen und bei Lieferschwierigkeiten einen Partner hinzuziehen können.

3. Forecast stärken

Informationen über den zu erwartenden Materialbedarf sind eine wichtige Voraussetzung für eine robuste Ressourcenbeschaffung. Je transparenter Sie Ihre Absatzplanung gestalten, desto leichter fällt es ihnen, entsprechende Mengen bei Ihren Lieferanten zu bestellen.

Bedenken Sie auch, dass Ihre Zulieferer Teil einer größeren Lieferkette sind und selbst Ressourcen beschaffen müssen, um Ihre Aufträge zu bedienen. Wenn Sie möglichst früh bestellen und Ihre Angaben präzise formulieren, können Sie das Risiko für Störungen oder Fehler erheblich reduzieren.

Transparenz hinsichtlich des Ressourcenbedarfs gewinnen Sie, indem Sie Ihren Forecast stärken. Schaffen Sie frühzeitig die dafür nötigen Prozesse und investieren Sie in Software und Personal. Damit machen Sie sich und Ihren Lieferanten das Leben leichter.

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4. Verstärkt auf lokale Lieferanten setzen

Im Rahmen der Globalisierung ist es in den meisten Branchen üblich, Ressourcen vorwiegend von internationalen Anbietern zu beziehen. Grund für diese Beschaffungsstrategie ist der Preisvorteil, den Anbieter aus Niedriglohnländern gegenüber dem lokalen Wettbewerb haben. Doch der Preis ist nicht alles. Waren und Rohstoffe um die halbe Welt zu transportieren birgt ein hohes Risiko für Störungen, schon alleine aufgrund der zurückgelegten Strecke. Lieferungen passieren auf dem Weg von Südostasien nach Europa zahlreiche Umschlagplätze und Engstellen, die alle ein gewisses Potenzial für Verzögerungen bieten. Ein Beispiel hierfür ist die Blockade des Suezkanals im März 2021, die einen signifikanten Teil des globalen Warenverkehrs beeinträchtigt hat.

Statt Ihren gesamten Ressourcenbedarf über globale Anbieter zu decken, sollten Sie verstärkt lokale Zulieferer in Ihr Netzwerk aufnehmen. Diese zeichnen sich durch kurze Transport- und Kommunikationswege aus, sodass ein geringeres Potenzial für Störungen besteht und Probleme schneller aus der Welt geschafft werden können.

5. Eine aussagekräftige Lieferantendatenbank aufbauen

Beschaffung ist kein isolierter Prozess, der sich nur auf das eigene Unternehmen bezieht. Jede Organisation ist Teil einer Lieferkette, die sich von der Rohstoffförderung bis hin zur Produktion von Waren erstreckt. Jede Störung entlang dieser Kette wirkt sich auch auf die nachfolgenden Schritte des Wertschöpfungsprozesses aus. Daher sollte eine robuste Beschaffungsstrategie immer auch Lieferanten und Vorlieferanten einbeziehen.

Hierzu bedarf es einer soliden Informationsbasis. Sie sollten wissen, woher Ihre Zulieferer Ressourcen beziehen und wie deren Beschaffungsprozesse gestaltet sind. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, eine gut gepflegte Lieferantendatenbank anzulegen, die alle wichtigen Informationen enthält. Solch eine Datenbank gibt Ihnen die Möglichkeit, eine vollständige Risikoanalyse durchzuführen, die Ihre gesamte Lieferkette einschließt.

6. Lagerstrategie überdenken

Im Zuge des Just-in-Time-Ansatzes sind viele Fertigungsunternehmen dazu übergegangen, ihre Lagerbestände zu reduzieren und stattdessen auf bedarfssynchrone Warenlieferungen zu setzen. Diese Strategie ist hochgradig effizient, denn sie macht die klassische Lagerhaltung größtenteils obsolet. Allerdings ist sie auch sehr anfällig für disruptive Ereignisse. Tritt eine Störung oder Verzögerung in der Beschaffung auf, wirkt sich diese unmittelbar auf die Produktionsabläufe aus, da es keine relevanten Sicherheitspuffer gibt.

Als vorbeugende Gegenmaßnahme ist es ratsam, Lagerstrategien zu überdenken und mehr Wert auf eine stabile Ressourcenversorgung zu legen. Erhöhen Sie Ihre Sicherheitsbestände, damit Ihre Produktion Lieferausfälle vorübergehend kompensieren kann. Auch eine Anpassung der Losgrößen ist empfehlenswert. Sehen Sie davon ab, bedarfsgerechte Materialmengen in kurzen Abständen zu bestellen. Diese Strategie ist zu anfällig für Störungen. Wenn möglich sollten Sie größere Bestellungen tätigen und einen Teil des Materials einlagern.

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Fazit

Die vorgestellten Maßnahmen wirken zunächst kontraintuitiv. Schließlich laufen sie den gängigen Best Practices des Supply Chain Managements zuwider: Preisorientierung, Minimierung der Lagerkosten, Just-in-Time-Lieferung etc. Beachten Sie jedoch, dass diese Best Practices Resultat eines fortlaufenden Optimierungsprozesses sind, der jahrzehntelang ohne größere Störungen ablief. Das heutige Supply Chain Management ist darauf ausgelegt, unter optimalen Bedingungen möglichst effizient zu agieren. Treten gravierende Störungen auf, fehlt jedoch die Widerstandsfähigkeit, um angemessen zu reagieren.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig robuste Beschaffungsstrategien sind. Es ist davon auszugehen, dass vergleichbare Krisen auch in Zukunft auftreten können. Angesichts dessen lohnt es sich, geringe Effizienzverluste im Supply Chain Management hinzunehmen, um im Gegenzug die Widerstandsfähigkeit deutlich zu steigern.

Hannes Bolting

Autor: Hannes Bolting

Hannes Bolting ist seit 2018 bei Jäger im Vertrieb tätig. Parallel dazu absolviert der gelernte Industriekaufmann ein Masterstudium mit dem Schwerpunkt Sales Management an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management in Hannover.

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