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Gummi und Kunststoffprodukte im
Supply Chain Management – Das sollten Sie wissen

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Was erwartet Sie in diesem Beitrag?

Supply Chain Management zielt darauf ab, Material- und Informationsflüsse innerhalb einer Wertschöpfungskette zu planen, zu steuern und zu optimieren. Bei Bauteilen aus Gummi und Kunststoff sind in diesem Zusammenhang zahlreiche Weichen zu stellen, von der Auswahl passender Rohstoffe, Materialmischungen, Lieferanten und Fertigungsverfahren bis hin zur intelligenten Taktung der Logistik- und Produktionsprozesse.

In diesem Beitrag haben wir für Sie die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, die Sie im Supply Chain Management in Bezug auf Produkte aus Gummi und Kunststoff berücksichtigen sollten. Die Informationen helfen Ihnen, typische Probleme zu vermeiden. Zugleich finden Sie viele Tipps, mit denen Sie negative Auswirkungen lokaler und globaler Krisen – beispielsweise die Verknappung von Rohstoffen sowie Lieferengpässe – abmildern können. Das erleichtert es Ihnen, Ihre Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Welche Herausforderungen ergeben sich für das Supply Chain Management durch Produkte aus Gummi und Kunststoff?

Global Sourcing

Global Sourcing

In Zeiten global organisierter Wertschöpfung ist es wichtiger denn je, über ein zuverlässiges Beschaffungsnetzwerk zu verfügen. Dieses Netzwerk muss es Ihrem Unternehmen ermöglichen, schnell und flexibel auf veränderliche Bedürfnisse innerhalb der Versorgungskette zu reagieren. Im Umgang mit Gummi- und Kunststoffkomponenten ergeben sich hierbei mehrere Herausforderungen, für die Sie Lösungen finden müssen:

Die Wahl der passenden Beschaffungsstrategie ist komplexer geworden

Bis vor wenigen Jahren agierten die meisten Unternehmen bei der Beschaffung von Gummi- und Kunststoffkomponenten weitestgehend preisgetrieben. Wenn mehrere Lieferanten Ware in vergleichbarer Qualität anboten, entschied der Einkauf sich erfahrungsgemäß immer für den günstigeren Anbieter. Aufgrund der geringeren Lohnkosten ist daher Sourcing aus Asien in vielen Branchen Standard geworden.

Rein preisgetriebene globale Beschaffung kann allerdings in Krisenzeiten zu unkalkulierbaren Folgekosten führen. So gibt es beim Transport zahlreiche Ansatzpunkte für unvorhergesehene Ereignisse (Katastrophen, überlastete Häfen etc.) und geopolitische Risikofaktoren (Grenzschließungen, Seeblockaden, Strafzölle etc.), durch die sich Warenlieferungen erheblich verzögern können. Dazu erschweren es lange Transportwege, Nachhaltigkeitsziele wie die Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu erreichen. Inwiefern ausländische Lieferanten lokalen Anbietern vorzuziehen sind, müssen Sie daher sorgfältig abwägen.

Viele Rohstoffe sind derzeit schwer zu erhalten

Seit Sommer 2021 erleben die meisten Industrieländer einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Zahl der neu registrierten Corona-Erkrankungen ist zumindest zeitweise zurückgegangen. Dazu haben sich aufgrund der bisherigen Pandemieerfahrungen Prozesse etabliert, mit denen Fertigungsunternehmen coronabedingte Beeinträchtigungen effektiver handhaben können.

Dementsprechend ist die Nachfrage nach Rohstoffen und Material stark angestiegen. Die Folge: Manche Ressourcen (beispielsweise chemische Vorprodukte und Kunststoffe) sind aktuell kaum noch erhältlich. Diese Situation beeinträchtigt insbesondere Produzenten, die Gummi- und Kunststoffprodukte bislang von einzelnen Lieferanten kaufen.

Lieferverzögerungen erschweren die Planung

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Rohstoffen können viele Lieferanten aktuell keine festen Lieferzeiten garantieren. Dazu sorgen coronabedingte Transporteinschränkungen regelmäßig für Verspätungen, welche die gesamte Supply Chain – und schlimmstenfalls die Produktionsplanung – negativ beeinflussen. Es besteht zwar die Möglichkeit, Waren mit längerer Vorlaufzeit zu bestellen, aber dies erfordert ausreichende Lagerkapazitäten, die wiederum mit höheren Kosten verbunden sind. Zudem lassen sich kurzfristige Lieferengpässe auf diese Weise nicht beseitigen.

Ungeeignete technische Lösungen für Gummi und Kunststoff verzögern Prozesse

Gummi- und Kunststoffkomponenten genießen in der Konstruktion teilweise keinen hohen Stellenwert. Dazu fehlt es vielen Entwicklungs-Teams an Know-how im Umgang mit beiden Werkstoffen, sodass Erfahrungen aus der Metallverarbeitung auf Materialgruppen aus Gummi oder Kunststoff übertragen werden. Das führt in der Praxis regelmäßig zu Problemen, da viele der im Bereich Gummi und Kunststoff angewandten Fertigungsverfahren (z. B. Spritzen, Pressen, Extrudieren) im Umgang mit Metall nicht gängig sind. Konstruktionszeichnungen müssen daher oftmals nachträglich angepasst werden (z. B. aufgrund nicht umsetzbarer Geometrien), was sich wiederum auf die Planung des Lieferantenmanagements auswirkt.

Preisstabilität ist aktuell kaum erreichbar

Bei der Beschaffung von Gummi- und Kunststoffkomponenten einen stabilen Preis zu erzielen, war für den Einkauf schon immer eine Herausforderung. Durch die Pandemie hat sich die Lage sogar noch verschärft: Aufgrund der schwankenden Nachfrage variieren die Preise für Rohstoffe und Vormaterialien beträchtlich. Dies reduziert folglich auch die Planungssicherheit produzierender Unternehmen.

Wie können Sie Ihre Supply Chain krisenfester und robuster gestalten?

Wie fragil weltweit verzweigte Lieferketten in Krisenzeiten sind, hat die Corona-Pandemie schonungslos offengelegt. Dass globale Supply Chains anfällig für Störungen sind, ist zwar keine neue Erkenntnis. Welche Konsequenzen im Ernstfall auftreten, ist seit der Ausbreitung des Virus in dieser Intensität jedoch erstmals klar zum Vorschein gekommen.

Corona wirkt im Supply Chain Management wie ein Brandbeschleuniger, der bestehende Herausforderungen verschärft. Im Bereich Gummi und Kunststoff gibt es allerdings eine Reihe an Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Versorgungssicherheit kurz- und langfristig gewährleisten können.

Tipp 1: Setzen Sie stärker auf lokale Lieferanten

Die monetären Vorteile, die sich Unternehmen von Global Sourcing versprechen, können durch Lieferverzögerungen schnell negiert werden. Darüber hinaus erschweren es lange Transportwege, Klimaschutzziele zu erreichen und den eigenen Global Footprint zu verbessern. Daher ergibt es gerade in Krisenzeiten Sinn, Beschaffungsstrategien zu überdenken.

In Fertigungsunternehmen rücken derzeit europäische Lieferanten wieder stärker in den Fokus. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Lokale Lieferanten sind nicht grundsätzlich professioneller als ihre internationale Konkurrenz. Auch außerhalb der Europäischen Union finden sich Gummi-, Kunststoff- und Werkzeugproduzenten, die hochqualitative Waren sowie Markenprodukte großer Konzerne anbieten. In der aktuellen Situation können Zulieferer aus Deutschland und Europa ihren Kunden allerdings Vorteile bieten, mit denen krisenbedingte Probleme schneller gelöst oder gänzlich vermieden werden können.

Tipp 2: Überdenken Sie Ihre Einkaufsstrategien

Unternehmen, die beim Einkauf auf eine Just-In-Time-Strategie setzen, halten damit ihre Lagerbestände kontinuierlich auf geringem Niveau. Präzise geplante Einzelbestellungen sind jedoch in Krisenzeiten besonders anfällig für Preissteigerungen und Störungen. Trifft eine Lieferung nicht rechtzeitig ein, wirkt sich dies schnell auf die Produktion und Lieferfähigkeit des Unternehmens aus – und damit auf die Zufriedenheit seiner Kunden.

Eine Möglichkeit, sich vor Lieferengpässen und Preisexplosionen zu schützen, sind Rahmenverträge mit strategisch wichtigen Lieferanten. Diese sorgen für ein hohes Maß an Planungssicherheit, da Sie mit Ihrem Lieferanten gemeinsam festlegen, welche Bestellungen in den kommenden Monaten zu welchen Terminen erfolgen müssen. Dies ist insbesondere bei spezifischen Gummi- und Kunststoffmischungen wichtig, denn Zulieferer haben diese Produkte nicht standardmäßig auf Lager. Darüber hinaus ist der Verhandlungs- und Organisationsaufwand (und damit auch die Prozesskosten) verglichen mit Einzelaufträgen deutlich geringer, da Sie nicht für jede einzelne Lieferung neue Konditionen aushandeln müssen.

Zugleich profitieren Sie bei Rahmenverträgen von finanziellen Vorteilen. Zum einen bieten diese eine höhere Preisstabilität, da der Einkaufspreis für die bestellte Ware mit dem Lieferanten fixiert wird und keinen Schwankungen unterliegt (abgesehen von vertraglich vereinbarten Ausnahmen). Zum anderen entstehen durch die Abnahme großer Warenmengen Skalierungseffekte, die Sie an Ihre Kunden weiterreichen können. Wenn Ihre Fertigung den gesamten Auftrag am Stück bearbeiten kann, sinken beispielsweise die Rüstkosten der involvierten Maschinen und Anlagen sowie die Kosten für die Projektverwaltung.

Tipp 3: Bauen Sie ein schlankes, strategisches Lieferantennetzwerk auf

Beim Aufbau Ihres Beschaffungsnetzwerkes für Gummi- und Kunststoffprodukte müssen Sie zwei Varianten abwägen:

Bei Gummi- und Kunststoffprodukten ist die effektivste Lösung oft ein Kompromiss. Einige Lieferanten verfügen selbst über ein dichtes Netz an Sublieferanten und können Aufgaben bei Bedarf auslagern. Den Koordinationsaufwand, den eine hohe Zahl an Lieferanten erfordert, können Sie dementsprechend an solche Produktionspartner auslagern. Zugleich ergeben sich unter Umständen finanzielle Vorteile, da der Zulieferer gegebenenfalls Skaleneffekte bei seinen Sublieferanten erzielen kann. Sie nutzen also die Vorteile der Lieferantenkonsolidierung, ohne in vollem Umfang unter deren Nachteilen zu leiden.

Tipp 4: Holen Sie Lieferanten bei Neuentwicklungen ins Boot

Prueflabor Gryfino

Prüflabor der JÄGER Group

In der Konstruktion werden Gummi- und Kunststoffkomponenten oft vernachlässigt. Gleichzeitig fehlt es Entwicklungs-Teams zumeist an der nötigen Erfahrung im Umgang mit diesen Werkstoffen. Infolgedessen konfrontieren produzierende Unternehmen ihre Lieferanten häufig mit Konstruktionsvorgaben, die sich in der vorgesehenen Form nicht fertigen lassen. Mangels Expertise bleiben außerdem Verbesserungspotentiale, welche die Konstruktion mit entsprechendem Know-how in Puncto Materialauswahl und Design schöpfen könnte, ungenutzt.

Um zusätzliche Entwicklungsschleifen zu vermeiden und Gummi- oder Kunststoffkomponenten zum geplanten Termin fertigungsgerecht zu konstruieren, sollten Sie möglichst früh mit einem spezialisierten Entwicklungspartner zusammenarbeiten. Idealerweise integrieren Sie dessen Expert:innen bereits in den frühen Projektphasen in Ihr Team. Je früher Sie Ihrem Lieferanten alle relevanten Informationen über Ihr Entwicklungsvorhaben in Form eines Lastenheftes zur Verfügung stellen und gemeinsam mit Materialspezialist:innen darüber diskutieren, desto effizienter gestaltet sich der Entwicklungsprozess.

Tipp 5: Integrieren Sie Lieferanten in Ihre Prozesse

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kunde und Lieferant im Ernstfall sein kann. Unternehmen, die ihre Lieferanten sinnvoll in die eigene Prozesskette integriert haben, konnten z. B. schneller auf Verzögerungen und Ausfälle reagieren. Die Auswirkungen der Pandemie ließen sich dadurch in vielen Fällen zumindest mildern.

Die Basis für die Integration Ihrer Lieferanten legen Sie auf der IT-Ebene. Statt Bestellungen und Informationen via E-Mail an Ihre Zulieferer weiterzuleiten, sollten Sie diese mit Ihrer IT-Landschaft vernetzen. Das ermöglicht es, alle notwendigen Informationen (Bestellungen, Lieferscheine, Rechnungen, Nachfragen etc.) digital auszutauschen.

Aus einer solchen Verbindung ergeben sich zahlreiche Vorteile: Mithilfe einer EDI-Anbindung können Sie beispielsweise eine dynamische Vorschau Ihres Warenbedarfs für die kommenden Monate erstellen, sodass Ihr Lieferant Produktionsaufträge und Lieferungen frühzeitig vorbereiten kann. Alternativ können Sie Ihr ERP-System mit dem des Lieferanten vernetzen. Das ermöglicht es unter anderem, Bestellungen anhand Ihres Warenbedarfs (bzw. Ihres Lagerbestandes) automatisch auszulösen. Funktional entspricht diese Lösung einer EDI-Anbindung, allerdings entfallen die Kosten für die Einrichtung eines EDI-Servers.

Auch in der Logistik lohnt es sich, wenn Sie Lieferanten in Ihre Prozesse integrieren. Sie reduzieren dadurch Reibungsverluste und sorgen dafür, dass Materialien und Komponenten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eintreffen. Ein Beispiel dafür ist die Kommissionierung. Wenn Ihr Lieferant die bestellte Gummi- oder Kunststoffkomponente in Verpackungseinheiten liefert, die Ihrem geplanten Verbrauch entsprechen, entfällt für Ihr Lagerpersonal viel Aufwand, da es weniger Zeit für das Umfüllen und Sortieren der Lieferung benötigt. Die Kisten können direkt von der Palette genommen und weiterverarbeitet werden. Gleichzeitig sparen Sie eine nicht unerhebliche Menge an Verpackungsmüll.

Tipp 6: Streben Sie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten an

Im Supply Chain Management sind eine hohe Reaktionsfähigkeit und Flexibilität wesentliche Erfolgsfaktoren. Diese sind leichter realisierbar, wenn Sie auf eine langfristige Zusammenarbeit mit Ihren Lieferanten setzen, die von Offenheit und Vertrauen geprägt ist.

Anhand einer solchen Basis sind Absprachen zwischen Kunde und Anbieter schneller und unkomplizierter. So lassen sich Probleme leichter klären, wenn beide Seiten sich persönlich kennen. Bei Lieferverzögerungen ist es z. B. praktischer, einen langjährigen Geschäftspartner via Telefon zu kontaktieren, statt sich per E-Mail an den Kundenservice zu wenden. Zudem verläuft die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit bei langjährigen Partnern reibungsloser. Konflikte, die das Ergebnis unterschiedlicher Ziele und Erwartungen sind, entstehen in solchen Fällen wesentlich seltener. Darüber hinaus können beide Seiten Probleme in vielen Fällen bereits vorhersehen, da sie wissen, wie Ansprechpartner:innen in bestimmten Situationen reagieren.

Nicht zuletzt bringt die langfristige Zusammenarbeit mit Lieferanten Ihnen finanzielle Vorteile. Zum einen entfallen die Prozesskosten für Recherche, Vertragsverhandlungen sowie die Qualifizierung des Lieferanten, die sich bei neuen Partnern erst nach einer gewissen Zeit amortisieren. Zum anderen bieten Zulieferer für langjährige Bestandskunden oftmals geringere Preise an. Schließlich haben sie ein Interesse am Fortbestand der Partnerschaft.

Tipp 7: Behalten Sie die Rohstoffmärkte im Blick

Kalkulationskurve

Übersicht einer Kalkulationskurve

Gerade im Bereich Gummi und Kunststoff sollten Sie die Entwicklungen am Rohstoffmarkt permanent beobachten. Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Ressourcen und Materialien sind in der Regel das Resultat von Entwicklungen, die Expert:innen recht präzise vorhersagen können. Wenn Sie diese Entwicklungen erkennen, fällt es Ihnen leichter, rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu treffen.

Fehlen Ihnen für die Beobachtung der Rohstoffmärkte Ressourcen oder Expertise, lohnt sich der Austausch mit Gummi- bzw. Kunststofflieferanten. Diese befassen sich seit Jahren mit den Entwicklungen am Markt und können bei Bedarf schnell Auskunft geben, welche alternativen Rohstoffe mit vergleichbaren Eigenschaften aktuell verfügbar sind. Zugleich erhalten Sie von Lieferanten Prognosen über zu erwartende Preisentwicklungen und Restriktionen, z. B. wenn bestimmte Materialien aufgrund politischer Entscheidungen verboten werden.

Tipp 8: Nutzen Sie alternative Mischungen

Insbesondere in Krisenzeiten ist es vorteilhaft, nicht von der Verfügbarkeit bestimmter Rohstoffe abhängig zu sein. Diese Flexibilität erreicht Ihr Unternehmen, indem es für seine Gummi- und Kunststoffkomponenten alternative Materialmischungen mit vergleichbaren Eigenschaften in Auftrag gibt. Dies führt zwar zu höheren Kosten, da diese Mischungen konzipiert und getestet werden müssen. Dafür können Sie im Notfall auf alternative Rohstoffe zurückgreifen und Ihre Liefersicherheit auch dann gewährleisten, wenn Ressourcen zeitweise nicht verfügbar sind.

Die Suche nach Alternativwerkstoffen lohnt sich nicht nur bei Neuentwicklungen, sondern auch bei bestehenden Produkten. Dabei geht es nicht ausschließlich um Ihre Liefersicherheit. Da sich die Materialwirtschaft permanent weiterentwickelt, offenbaren sich bei älteren Produkten häufig Verbesserungspotentiale, mit denen Sie unter anderem Ihre Klimabilanz optimieren können. Oft ergeben sich außerdem Möglichkeiten, das Design der Komponente zu verändern und durch Materialanpassungen das Gewicht zu verringern oder die Funktionalität zu steigern. Materialkosten und Lebensdauer des Formteils lassen sich durch solche Änderungen teilweise deutlich verbessern.

Tipp

Rohstoffe zu substituieren und alternative Werkstoffe zu entwickeln ist nicht in jeder Branche kurzfristig möglich. Beispielsweise müssen Materialien in der Lebensmittel- oder Medizintechnikindustrie komplexe Freigabeprozesse durchlaufen, ehe sie für die Produktion freigegeben werden. Ist dies auch in Ihrem Unternehmen der Fall, müssen Sie ausreichend vorplanen. Mit Blick auf künftige Krisen kann sich dieses Vorgehen aber auch in Ihrem Fall lohnen.

Tipp 9: Optimieren Sie die Planung des Werkzeugbaus

Werkzeugherstellung

Herstellung eines Werkzeugs

In Spritzguss-Fertigungsprojekten – ganz gleich ob für Gummi- oder Kunststoffbauteile – zählt der Werkzeugbau zu den komplexesten, aufwändigsten Aufgaben. Spritzgussformen sind Präzisionswerkzeuge, die für jeden neuen Auftrag individuell gefertigt, getestet und freigegeben werden müssen. Hierbei lauern zahlreiche Fehlerquellen, die Projekte verzögern und nachgelagerte Prozesse in der Lieferkette beeinträchtigen können.

Den Bau eines neuen Werkzeugs können Sie weder verkürzen noch beschleunigen. Dementsprechend müssen Sie dafür in der Projektplanung ausreichend Zeit freiräumen. Bewährt hat es sich, bereits in der Entwicklungsphase möglichst früh einen Gummi- oder Kunststofffertiger in das Projekt zu integrieren, der Materialexpertise mitbringt und aufgrund seiner Erfahrungen positive Impulse in Ihr Entwicklungsvorhaben einbringen kann. Zeitvorgaben halten Sie auf diesem Weg erfahrungsgemäß zuverlässiger ein. Darüber hinaus können Sie Fehlerquellen zu einem frühen Zeitpunkt identifizieren und beseitigen.

Wenn Sie Ihr Werkzeug von einem externen Partner herstellen lassen, müssen Sie die damit verbundene Logistik im Blick behalten. Auch hier ist ein preisgetriebenes Vorgehen aktuell nicht immer die beste Entscheidung. Bei internationalen Werkzeugbauern kommt es beim Transport z. B. schnell zu Verzögerungen, sei es aufgrund von Krisen oder Unwettern. Dazu gestalten sich Korrekturen komplex, da der fehlerhafte Werkzeugentwurf gegebenenfalls über Tausende Kilometer hinweg transportiert werden muss.

Tipp 10: Lassen Sie Sorgfalt bei Transport und Lagerung walten

Person im Logistikzentrum

Lagerregale im Logistikzentrum

Gummi- und Kunststoffbauteile bringen spezifische Anforderungen an Transport und Lagerung mit sich. Bei unsachgemäßer Handhabung können die teilweise hochempfindlichen Komponenten beschädigt und somit unbrauchbar werden. Auch deswegen sind Lieferketten im Bereich Gummi und Kunststoff anfälliger für Störungen, als dies bei anderen Bauteilen der Fall ist.

Bei Kunststoff kann es z. B. je nach Material zu einer natürlichen Konditionierung kommen. Der Kunststoff nimmt bei höherer Temperatur oder Luftfeuchtigkeit Wasser auf und die Eigenschaften des Artikels verändern sich, sodass er nicht mehr verbaut werden kann. Gummimischungen wiederum sind nur über einen begrenzten Zeitraum haltbar und müssen möglichst schnell weiterverarbeitet werden, das Mischungsmaterial beginnt nach circa vier Wochen zu überaltern und verliert einen Teil seiner Eigenschaften. Beachten sollten Sie außerdem, dass es zu einer Vorvulkanisierung kommen kann, wenn Sie die Temperaturvorgaben beim Transport nicht einhalten.

Um diese Probleme zu verhindern, sollten Sie die mischungsspezifischen Vorgaben des Herstellers (Lagerungstemperaturen, Transportbedingungen etc.) strikt einhalten. Auch hinsichtlich Transport und Lagerung empfiehlt sich also ein enger Austausch mit Ihrem Lieferanten. Das erleichtert es, die Prozesse Ihrer Lieferkette aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus ist es auch mit Blick auf die Logistik sinnvoll, Redundanzen in der Supply Chain vorzuhalten. Haben Sie mehrere Gummimischungen freigegeben, können Sie auf Störungen flexibler reagieren.

Um krisenbedingten Problemen vorzubeugen, ergibt unter Umständen auch eine Neubewertung Ihrer Lagerstrategie Sinn. Wenn Sie Ihre Sicherheitsbestände erhöhen, kann Ihre Produktion Lieferausfälle beispielsweise vorübergehend kompensieren. Auch eine Anpassung der Losgrößen kann sinnvoll sein. Statt Materialmengen bedarfsgerecht in kurzen Abständen zu bestellen, können Sie größere Bestellungen tätigen und einen Teil des Materials auf Vorrat halten.

Tipp 11: Suchen Sie die Kooperation mit anderen Unternehmen

Angesichts der aktuellen Rohstoffknappheit setzen zunehmend mehr Fertigungsunternehmen auf den Tauschhandel mit Wettbewerbern. Hierfür gibt es digitale Handelsplattformen, auf denen Unternehmen Ressourcen anbieten oder suchen können. Wenn Ihr Lieferant einen bestimmten Rohstoff derzeit nicht liefern kann und keine alternative Ressource oder Mischung zur Verfügung steht, ergibt es Sinn, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

Tipp 12: Bauen Sie eine Lieferantendatenbank auf

netwerk

Netzwerk diverser Lieferanten

Supply Chain Management ist ein komplexer Prozess, in dem zahlreiche Unternehmen innerhalb einer Lieferkette kooperieren und voneinander abhängen. Eine robuste Beschaffungsstrategie erfordert dementsprechend zuverlässige Informationen über alle Zulieferer und Sublieferanten. Beispielsweise sollten Sie wissen, wie die Beschaffungs- und Lieferprozesse bei Ihren Partnern strukturiert sind. Mit Blick auf Nachhaltigkeitsvorgaben benötigen Sie außerdem Informationen darüber, woher Ihre Zulieferer Ressourcen beziehen. Als informatorische Basis empfiehlt sich eine ausführliche Lieferantendatenbank, die Sie regelmäßig aktualisieren. Damit schaffen Sie unter anderem ideale Voraussetzungen für Risikoanalysen, bei denen Sie Ihre gesamte Lieferkette überprüfen.

Tipp 13: Ausführliche Lieferantenauswahl

Voraussetzung für ein stabiles Supply Chain Management ist ein Netzwerk aus zuverlässigen Lieferanten. Gerade bei der Beschaffung von Gummi- und Kunststoffmaterial und Vorprodukten ist die Lieferantenauswahl daher von hoher strategischer Bedeutung.

In der aktuellen Situation ist ein preisgetriebenes Vorgehen beim Auswahlprozess riskant. Im Fokus Ihrer Suche sollte stattdessen die Frage stehen, wie Sie Ihre Supply Chain krisenfester gestalten können. Dafür müssen Sie den Markt für Gummi- und Kunststofflieferanten ausführlich sondieren und nicht nur die Kosten, sondern auch Aspekte wie Zuverlässigkeit und Qualität berücksichtigen.

Damit Ihr Lieferant alle relevanten Anforderungen erfüllt, sollten Sie sämtliche Kandidaten nach sinnvollen Kriterien bewerten. Neben ökonomischen Gesichtspunkten spielen dabei auch ökologische und soziale Faktoren eine Rolle – Stichwort Nachhaltigkeit. Corporate-Social-Responsibility-Ziele sind beispielsweise am einfachsten mit verlässlichen, transparenten Prozessen sowie kurzen Wegen in der Lieferkette erfüllbar. Orientierung bieten Ihnen hierbei internationale Management-Normen wie die ISO 14001, in der die wesentlichen Anforderungen an das Umweltmanagement von Unternehmen definiert sind.

Jäger setzt auf Nachhaltigkeit

Die Angebote von Jäger Gummi und Kunststoff basieren auf einem robusten Netz aus Sublieferanten, die ihren Hauptsitz zu rund 96 Prozent innerhalb der Europäischen Union haben (80 Prozent in Deutschland). Nachhaltigkeit spielt in diesem Netzwerk eine dominante Rolle. So werden Lieferanten aufgrund ihrer Zertifizierung nach der Umweltnorm DIN EN ISO 14001 sowie (idealerweise) der DIN EN 50001 ausgewählt.

Zusammengefasst

Problemen proaktiv entgegenzutreten und flexibel auf Störungen zu reagieren, wird im Supply Chain Management immer wichtiger. Diese Fähigkeiten setzen bei Gummi- und Kunststoffprodukten eine Reihe von Maßnahmen voraus, von der sorgfältigen Auswahl verlässlicher Zulieferer bis hin zur engen Integration aller Partner der Supply Chain in Ihre Prozesse und Systeme.

Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie möglichst viele der hier vorgestellten Maßnahmen umsetzen. In einigen Bereichen mag dies den Aufwand für Ihr Lieferantenmanagement erhöhen. Das Resultat ist jedoch ein robustes, verlässliches Versorgungsnetz, das Sie selbst bei kurzfristig auftretenden Krisen aufrechterhalten können.

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Christoph Gaehler

Autor: Christoph Gähler

Christoph Gähler ist als Gruppenleiter im Vertriebsinnendienst bei Jäger tätig. Der studierte Betriebswirt (Schwerpunkt Vertrieb und Marketing) betreut und unterstützt produzierende Unternehmen seit Juli 2017 beim Einkauf von Gummi- und Kunststoffkomponenten.

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Petra Dirlenbach

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